"Keep in touch"

lautete das Stichwort vor meiner Atlantiküberquerung, meine lieben Freunde.

 

Ich halte es auch danach immer noch für passend, um euch auf dem Laufenden zu halten.

 

Denn: Ein atemberaubender Segeltörn ist zu Ende gegangen, und ich durfte eine Flut an Eindrücken mit nach Hause nehmen.

 

Die emotionale Verabschiedung in Puerto de Mogan auf Gran Canaria ging selbst dem härtesten Salzbuckel unter uns tief ins Mark, aber auch ...

 

... unvergessliche Wetterkapriolen und Naturschauspiele

 

... wahre Kameradschaft

 

... türkisfarbenes, glasklares Wasser zwischen 23 und 26 Grad, Lobster, Cocktails, traumhafte Ankerbuchten und Kontakte zu Menschen, die noch die Ruhe „weg“ haben,

 

bestimmten unseren Törn.

 

 „Liming“ ist in der Karibik das Zauberwort, das frei übersetzt „professionelles Faulenzen“ bedeutet, und an das man sich sehr schnell gewöhnen kann.

 

Gegen den zivilisierten Norden sind die Windward Islands zwischen Martinique und Grenada die „klassische“ Karibik. Endlose Sandstrände, türkisfarbenes Wasser und Palmen bestimmen das Bild, je weiter man nach Süden kommt - aber leider findet man hier auch die sozialen Brennpunkte.

 

Ich habe mich wohl auch für die richtige Jahreszeit entschieden; ab Mai/Juni wird die Luftfeuchtigkeit einfach zu hoch.

 

Und noch eins steht fest: In der Karibik ist die Koje an Bord einer Yacht immer noch die günstigste Variante der Unterbringung, gerade zur jetzt beginnenden Hochsaison.

 

 

Und nun viel Spaß

Horst

 

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P.S. Sorry, dass ihr immer noch scrollen müsst. Eigentlich sollte das Aktuellste immer oben/vorne stehen. Seid gnädig mit mir ;-)

 

 


 16.11.2013 - Am Anfang war das Packen.

 

 

Wenn man für alle evtl. vorkommenden Wetterverhältnisse gut ausgestattet sein will (Sonne, Regen, Sturm …), kommt einiges zusammen.

 

Nach üblicher Vorgabe sollte der Seesack oder die (weiche) Reisetasche über das normale Packmaß 85 x 50 x 40 cm verfügen (ca. 120 Liter) und nicht schwerer als 20 kg sein – auch für eine vierwöchige Seereise !

 

Ein zusätzliches Handgepäckstück mit den Maßen 60 x 50 x 30 cm ist erlaubt.

Da ich mir klare Prioritäten gesetzt und auf jeden Fall an eine große Tube Rei-Gel  gedacht habe, reichte mir ein Gepäckstück völlig aus.

 

Hier fand alles Notwendige seinen Platz und die Reißverschlüsse wurden auch nicht überbeansprucht – sehr zum Entsetzen meiner Mädels, die den Seesack (immerhin 140 L) gerne richtig vollgemacht hätten.

 


17.11.2013 – Anreise

 

Pünktlich um 11 Uhr startete der „Familien-Shuttle“ zum Düsseldorfer Flughafen.

 

Da ich bereits am Vorabend online eingecheckt hatte, ging`s bei der Gepäckaufgabe etwas zügiger; jedoch nicht ohne mahnende Worte des Abfertigungspersonals – „Übergewicht ! Beim nächsten Mal aufpassen.“ Und das mir.

 

Nachdem nun auch der letzte Teil der Formalitäten erledigt war, hatte ich noch ausreichend Zeit, um mich von meinen Lieben zu verabschieden. Zum Glück hatten sie`s mir leicht gemacht.

 

Die 20-minütige Startverzögerung war trotz der langen Flugstrecke und Rückenwind nicht mehr aufzuholen.

 

Vom Airport Las Palmas ging`s per Taxi nach Puerto de Mogan im Süden der Insel. Mit geschultertem Seesack machte ich mich im Yachthafen auf die Suche nach der „Magic Star“. Der Liegeplatz war zum Glück schnell ausgemacht.

 

An Bord wurde ich herzlich empfangen. Weil mittlerweile alle mächtigen Hunger hatten, machten wir uns gleich von Bord und fielen in ein tolles Fischrestaurant ein. Wir hatten alle viel Spaß – der Wirt auch.

 

 


18.11.2013 – Puerto de Mogan

Während unseres deftigen englischen Frühstücks legten wir die Tagesplanung fest, die im Wesentlichen aus den notwendigen Einkäufen und der Entscheidung über die abendliche Einkehr bestand.

 

 

 

Mehr als einen halben Tag waren wir mir der Proviantierung und dem Bunkern beschäftigt.

 

 

 

Bei Thunfisch in allen Variationen – als Carpaccio, Steak, Gulasch und und und – beschlossen wir am kommenden Tag um 12.00 Uhr abzulegen.

 

Bevor es wieder an Bord ging, kehrten wir nochmal in den Transocean-Stützpunkt auf ein vorerst letztes Bier an Land ein.

 

 


 19.11.2013 – Puerto de Mogan

Für rund drei Wochen das letzte Mal an Land:

 

·         eine letzte Dusche

·         ein letztes Frühstück

·         die letzten Einkäufe

 

 

 

Alles ist perfekt !

 

 

 

Pünktlich um 12 .00 Uhr (UTC) legten wir ab.

 

Die Crews der im Hafen liegenden Yachten standen an Deck und jubeltenn uns zu.

 

Unter dem ohrenbetäubenden Hupen deren Schiffssirenen nahmen wir Kurs zur Hafenausfahrt auf.

 

Es war ein unglaublich emotionaler Moment auch all die winkenden Menschen auf der Kaimauer zu sehen, die uns „viel Glück“ für die Überfahrt wünschten.

 

Sogar der Hafenmeister stand vor seinem Dienstgebäude und salutierte uns respektvoll zum Abschied.

 

Und mir war in diesen Momenten klar: Wenn ich drüben ankomme, werde ich für den Rest meines Lebens glücklich sein.

 

 


 20.11.2013 - Irgendwo auf dem Atlantik

 

Bevor ich am Vorabend meine erste Nachtwache als Rudergänger antrat, haben wir uns noch recht schnell und unkompliziert eine Struktur für die nächsten Wochen auf See gegeben.

 

 

 

Dieser Wachplan sollte von nun an unerbittlich unseren Lebensrhythmus bestimmen.

 

Die Nacht war sternenklar - über uns ein beeindruckendes Sternenmeer. Ich konnte mich prima an der Venus orientieren - links vom Mond ;-)

 

 

 

Am Morgen wurden wir von einer riesengroßen Delfinschule auf unserem Trip gen Westen längere Zeit begleitet - zig Tiere um uns herum.

 

 

 

Für unser rustikales Frühstücksbuffet hatten wir verständlicherweise keine Zeit. Am Abend gab`s Geschnetzeltes mit Ratatouilles und Kartoffeln.

 


21.11.2013 - 25° 18,0`N - 018° 33,0`W

Position um 6:59:39 UTC mit dem Sextanten am Mondoberrand "geschossen".

 

Es hat sich schon eine Bordroutine entwickelt, die selbstverständlich mit einer ordentlichen Morgentoilette begann.

 

 

 

Erst danach gab`s Spiegeleier mit Speck zum Frühstück.

 


22.11.2013 - 23° 42,5`N - 20° 48,2`W

Mussten wegen Flaute die Nacht über motoren. Kein Schiff, kein Flugzeug - nur Sterne und Meer.

 

Wir nutzten die Zeit, um Seewasser aufzubereiten. Der Kaffee schmeckt abscheulich, aber zum Zähneputzen und Duschen geht`s. Die Entsorgung des Klopapiers ist auch gewöhnungsbedürftig.

 

Vor meiner Morgenwache konnten wir endlich unseren Gennacker setzen.

 

 

 

Mit etwas Glück bringt er uns nun auf Kurs zur Passatwindzone und braucht dann nur noch einmal umgesetzt zu werden.

 

Die Tage verabschieden sich mit atemberaubenden Sonnenuntergängen.

 

 

 


23.11.2013 - 22° 10,8`N - 22° 10,2`W

Heute hatte ich das erste Mal "Backschaft" - d.h. ich muss für alle Mahlzeiten sorgen und alles wieder reinigen.

 

Um 9.00 UTC hatten wir den ersten Biss an unserer Hochseeangel - eine Goldmakrele (auf kreolisch Mahi Mahi).

 

 

 

Klare Sache: Zum Abendessen gab`s Fisch ...

 

 

 

... auf mediterrane Art im Backofen gegart.

 

Als Dank wurde ich von meiner Crew für den Rest des Abends von der Backschaft befreit.

 

Zum Abhängen gönnte ich mir dann auch noch etwas Musik von Jack Johnson.

 


 

24.11.2013 - 20° 38,3`N - 023° 44,6`W

Während meiner Morgenwache begleitete mich ein traumhafter Sonnenaufgang. Leider hatte ich keine Kamera zur Hand und muss deshalb hier auf den Schnappschuss eines Crewkollegen zurückgreifen, aber ich werde sicher auch noch zum "Schuss" kommen.

 

 

 

Obwohl wur uns mittlerweile auf der Höhe der Kapverdischen Inseln befinden (vor der afrikanischen Küste) und die eigentliche Passtawindzone noch nicht erreicht haben, läuft das Schiff - Dank konstanter Winde und Wellen - wie auf Schienen.

 

Solange wir noch über Frischvorräte verfügen, besteht die Lieblingsbeschäftigung aus Essen. Zwischen den Mahlzeiten sinnieren wir bei kleinen snacks über das nächste kulinarische Highlight.

 

 

 

Erfahrungsgemäß verliert man bei Törns dieser Art rd. 5 kg Körpergewicht. Momentan sehe ich dafür keine Gefahr.

 


 

25.11.2013 - 18° 46,7 N - 025° 39,8`W

 

Nach mittlerweile rd. 800 sm (1/4 der Strecke) und konstantem Kurs von 230° setzen 100 sm vor den Kapverden den Kurs weiter nach Westen auf 260° - direkt auf die Karibik zu.

 

Nachdem es die ganze Nacht über geregnet hat, kommt die Sonne auch wieder durch. Die Wellen sind jetzt um die 3 m hoch (in dieser Weite schwierig zu fotografisch rüber zu bringen).

 


 

26.11.2013 - 18° 07,7`N - 027° 28,5`W

Der Herr der Winde (Rasmus) meint es heute nicht gut mit uns - kein Wunder, da der Skipper den dafür nötigen Rum trotz unermüdlichen Zuredens immer noch nicht rausrückt.

 

Deshalb haben wir die Flaute für einen Badestopp zur Körperpflege genutzt.

 

 

 

 

Und den 3. Mahi Mahi gefangen (Fisch im Überfluss).

 

 

 


27.11.2013 - 17° 29,8`N - 029° 30,0`W

Erst 1.042 sm und der Wind lässt weiterhin zu wünschen übrig.

 

Wir mussten die ganze Nacht motoren und das Zeitfenster wird zusehends knapper; der Diesel auch.

 

Bequia und Mustique bleiben aber weiterhin unsere Ziele.

 

Zur großen "Freude" aller hat der Bordkassenführer auch noch das Kassenbuch verschludert, aber an Bord kommt je bekanntlich nichts weg.

 

Wenn ich nicht gerade durch Ruderwache, Navigation, Segeltrimm etc. abgelenkt bin, gibt die unendliche Weite des Horizonts spürbar mehr Raum zum Denken.

 


28.11.2013 - 17° 02,6`N - 031° 13,0`W

Nach 2 Tagen und Nächten Flaute haben wir uns heute Morgen über den zwar wieder einsetzenden aber immer noch schwachen Wind gefreut.

 

Die Fische bissen auch wieder besser und mussten wegen ihrer Größe sogar per Beilieger angelandet werden.

 

 

 


 

29.11.2013 - 17° 00,8`N - 033° 02,2`W

Der Wind ist wieder eingeschlafen. Erstaunlich, welche Gelassenheit sich bei Akzeptanz der naturgegebenen Bedingungen einstellt und welche Dankbarkeit sich für die Kleinigkeiten des Alltags, wie z.B. das zubereitete Frühstück, einstellt.

 

Eine schöne Abwechslung für mich war die E-Mail meiner Lieben; habe mich riesig darüber gefreut.

 

Ein Teil der Crew hatte heute das erste "Büttchen Bunt" gewaschen, während ich noch über Reserven verfüge, habe trotzdem viel zu viel eingepackt.

 

Zu allem Überfluss ereignete sich heute Abend der erste Angelunfall - Drilling in der Wade, der mit dem Wantenschneider gekappt werden musste. Einzelheiten berichte ich bei näherem Interesse.

 

  


30.11.2013 - Irgendwo mitten auf dem Atlantik

Gestern Abend frischte der Wind dann noch richtig auf, sodass wir 9 kn Speed machen konnten.

 

In der zweiten Nachthälfte erwischte uns eine Schlechtwetterfront mit Böen bis 30/35 kn. Nach Durchzug schlief der Wind wieder ein; nur der Regen ist bis jetzt geblieben und ich bin froh so gutes Ölzeug dabei zu haben. Bei diesen widrigen Verhältnissen besinnt man sich wieder mehr auf das, was man hat - Bescheidenheit eben.

 

Bescheiden ist auch der Kurs unter Motor - 284°. Völlig daneben; haben alle keine Ahnung, was sich der Skipper dabei denkt.

 

Vermutlich hat sich die Stimmung auch deshalb ein wenig verschlechtert.

 


01.12.2013 - Zwischen Himmel und Hölle

Seit Mitternacht versuchen wir ein weiteres Sturmtief zu umfahren - das dritte in Folge. Die See kocht. Wir haben jetzt keine Chance mehr zurückzukehren!

 

Und das nennt sich nun "Barfußroute".

 

Der Skipper kann froh sein, eine so erfahrene Crew an Bord zu haben.

 

Der Atlantik scheint endlos und wir kommen unserem Ziel einfach nicht näher. Wegen des sturmbedingten Zick-Zick-Kurses sind wir mittlerweile auf Kurs nach Brasilien.

 

Weil wir nicht lüften können, ist es in den Kabinen stickig und klamm.

 

Das Zeitfenster wird immer kritischer. Mittlerweile sind wir ziemlich geschlaucht und sehen nicht mehr aus wie zivilisierte Menschen.

 

 

 

Dafür hat sich das Wetter wieder gebessert. Man kann eben nicht alles haben.

 

 


01.12.2013 - immer noch im Nirgendwo

Die wichtigste Nachricht zuerst: Heute, am ersten Advent und nach zwischenzeitlich 14 Tagen auf See, hat der Skipper endlich Rasmus gehuldigt. Das war mehr als überfällig.

 

 

 

Wurde auch Zeit, und hoffentlich zeigt mein Standardspruch auch in diesem Revier seine Wirkung.

 

Christstollen bei 30° im Schatten und Weihnachtsmusik mitten auf dem Atlantik hätte ich mir bei der Abreise wirklich nicht vorstellen können.

 

 

 

Da kann sich schonmal ein wenig Schwermut einstellen.

 


02.12.2013

Die Nacht war wieder sternenklar, aber windstill. Obwohl wir auf unserem Kurs die Passatzone noch nicht ganz erreicht haben, entschlossen wir uns während meiner Wache, endlich die Passatbesegelung zu setzen. Denn das Zeitfenster wird zusehends knapper.

 

 

 

Die Vorräte nehmen sichtbar ab. Wasser haben wir noch genug, aber mit Gas und Diesel müssen wir ab sofort strenger haushalten.

 

Im Laufe des Tages hat uns auch noch das Anglerglück verlassen. Offensichtlich hatten wir einen kapitalen Biss, der dazu führte, dass die Rute brach.

 

Wegen des Zeitdrucks sind die Regattaprofis gefragt. Den Jungs geht`s beim Segeltrimm um jeden Millimeter - das kann schonmal etwas nerven.

 

Die Crew hatte gerade in der ersten Woche einen südlicheren Kurs - mehr auf die Kapverden zu - favorisiert. Schade um die unnötig verlorene Zeit. Wie sich heute herausstellte, ist der Skipper noch nie zuvor von Ost nach West über den Atlantik gesegelt.

 


03.12.2013

Die Umbuchung unserer Rückflüge wir immer wahrscheinlicher. Ich warte noch 24 Stunden ab und werde dann handeln.

 

Zum Ausgleich durften wir wieder einen dieser atemberaubenden Sonnenaufgänge miterleben.

 

 

 

Nach dem Frühstück mussten wir die letzte Gasflasche anschließen, normalerweise ausreichend für eine Woche. Es liegen aber wahrscheinlich mindestens noch 10 Tage vor uns. Dies veranlasste uns, sämtliche Vorräte zu kontrollieren und zu sortieren. Bei der Gelegenheit mussten wir uns von rd. 10 Kg Fleisch sowie etlichen Wurst- und Käsevorräten verabschieden, weil wir wegen der Dieselknappheit die Kühlung nicht mehr so oft einschalten konnten. Kaffee und Tee gibt`s von nun an nur noch einmal täglich. Gespült wird ab sofort nur noch mit kaltem Seewasser. An Trinkwasser haben wir noch 111 Liter; d.h. täglich 1,5 Liter pro Person.

 


04.12.2013 - 14° 04,7` N 041° 24,2`W

 

"Alles hängt mit allem zusammen." So lautete das Fazit unseres Physikprofessors nachdem er uns in einem 2-stündigen kurzweiligen Vortrag das Universum und die Astronavigation anhand einer Grapfruit erklärte.

 

 

 

Der Traum, die Atlantiküberquerung mit einem Kurztrip in der Karibik zu verbinden, ist definitiv geplatzt. Ein Grund mehr, einen neuen Anlauf zu unternehmen.

 

Unsere Pechsträhne reißt nicht ab: Heute fielen 50 % der Kühlkapazitäten aus. Die Motorstunden brauchen wir jetzt nur noch zur Stromversorgung unserer Navigationsinstrumente und der Kommunikationsgeräte.

 

Fotoapparate, Videogeräte etc. dürfen ab sofort nicht mehr geladen werden. Nach einem kollektiven Anschiss ist die Motivation der Crew am Boden.

 


05.12.2013 - 14° 31,5`N 044° 33,9`W

Während meiner Nachwache haben die Etmal-Grenze von 200 sm geknackt. Der Passat ist nun endlich beständiger. Dünung, Luftfeuchtigkeit und Lufttemperatur zeigen an, dass wir in den Tropen angekommen sind.

 

Zum Frückstück gab`s zwei "Ansagen" vom Skipper - einfach kindisch.

 

Weil wir das Deck so schön geschrubbt hatten, durften wir am Nachmittag kollektiv duschen - mit Salzwasser.

 

 

 


06.12.2013 - Nikolaustag

Ausgerechnet heute regnet es wieder - glücklicherweise tropisch.

 

 

  

Obwohl es eingeschweißt war, mussten wir uns leider von unserem Advents-/ Weihnachtsgebäck trennen. Die tropische Luftfeuchtigkeit fordert halt ihre Opfer.

 

Die Eigenart und damit der Reiz des Segelns liegt in der 100 %igen Einlassung auf die Natur - zu jeder Zeit. Sonst geht es nicht.

 


07.12.2013 - 13° 59,56`N 048° 44,98`W

Während meiner Nachtwache hatten wir zwei kleine Gewitter und einen blinden Passagier an Bord.

 

 

 

Tagsüber hatte ich wieder Backschaft. Heute standen überwiegend Proteine auf meinem Speiseplan. Diesmal gab es ein schönes "fluffiges" Rührei zum Frühstück. Als Mittagssnack habe ich einen frischen mediterranen Thunfischsalat kredenzt und als Abendbrot eine Gemüsepfanne (noch frisch) mit Kartoffeln gereicht.

 

Untereinander haben wir eine tolle Kameradschaft. Beste Crew der Welt, meint der Skipper.

 


08.12.2013 - 13° 33,0` N 050 45,3`W

Dieses Jahr läuft alles anders - nix mit Barfußroute. Nach nunmehr 2.300 sm im Kielwasser haben wir den Passat noch immer nicht wirklich erwischt.

 

Stattdessen durfte ich während meiner Nachtwache meinen ersten "Squall" erleben, der das volle Programm abspielte: sintflutartiger Regen, Winddrehungen und -zunahmen mit gelegentlichem Abflauen in schöner Wiederkehr.

 

Nachts entwickelt sich mittlerweile eine bisher nicht gekannte Eigendynamik. Denn alle wollen zumindest den Rückflug pünktlich erreichen. Da wird dann auch schonmal etwas härter gesegelt und später gerefft.

 

Machen seit dem Nachmittag wieder mehr Fahrt. Dafür sind die Frischwassertanks komplett leer. Zum Glück haben wir noch ca. 50 Liter Mineralwasser im "Keller".

 

 

 

Mangels ausreichendem Dieselvorrat wird der Watermaker nur noch zwei Mal eingeschaltet, damit die Körperpflege einigermaßen beibehalten werden kann. Manche behaupten, es hätte sich ein Skunk eingeschlichen. Die Essensvorräte verlangen viel Kreativität ab, um noch etwas einigermaßen appetitiliches zu zaubern.

 

Demut und Dankbarkeit werden immer intensiver. Demut gegenüber den Naturgewalten und der Größe des Universums - Dankbarkeit für alles, was mit uns ist. Wie klein und unbedeutend wir alle eigentlich sind.

 

Die "Überlebenskunst" besteht darin, sich immer wieder neuen Gegebenheiten anzupassen - schnell und unauffällig.

 


09.12.2013 - 13° 26,5`N 053° 51,8`W

In der Nacht hatten wir superguten Wind, der uns richtig weitergebracht hat. Noch 420 sm bis zum Ziel, die Wind- und Seegangsverhältnisse werden ruppiger - aber egal.

 

Auch das "Verkehrsaufkommen" lässt darauf schließen, unserem Ziel schon deutlich nahe zu sein.

 

 

 

Die Moral der Crew ist weiterhin beispielhaft. Die Regenbwölkung ist dem Sonnenschein gewichen. Und der Wind hat sich bei 7 Beaufort eingependelt. Wenn es so bleibt, und davon ist gemäß Wetterbericht auszugehen, bleiben uns dadurch die lästigen Segelwechsel erspart. Einigen macht die körperliche Anstrengung eh von Tag zu Tag mehr zu schaffen.

 


10.12.2013

Seit gestern Abend bauten sich die Wellen auf rd. 6 m auf, sodass unser Kollege Autopilot überfordert war und wir wieder selber steuern mussten.

 

 

 

Am Ende meiner Morgenwache waren es nur noch 240 sm bis Martinique. Wenn es so weitergeht, sind wir morgen endlich da. Die Stimmung steigt zusehends.

 

Die Möwen deuten darauf hin, dass es nicht mehr sehr weit sein kann.

 

 

 

Mangels Wasser fiel die Morgentoilette aus und wir mussten auch wieder von Lebensmitteln trennen.

 

Das Meersalz lagert sich mittlerweile in jeder Ritze ab - auf der Haut, an Deck, in den Klamotten. Alle freuen sich auf eine ausgiebige Dusche.

 

Glücklicherweise sind unsere Rückflüge bestätigt.

 

Am Abend sind es nur noch 140 sm. Wir werden immer ausgelassener. Es werden Gespräche geführt, die offensichtlich vorher nicht möglich waren - Rücksicht?

 


11.12.2013 - 14° 34,9`N 060° 13,8`W

Während meiner Morgenwache durfte ich wieder einen dieser wunderschönen tropischen Sonnenaufgänge erleben ..

 

 

 

... und kurze Zeit später einen weiteren Segler auf Parallelkurs gesichtet.

 

 

 

Noch knapp 35 sm !

 

Nach einer letzten Halse hieß es um 14.45 Uhr (UTC) endlich: "Land in Sicht"

 

 

 

Geschafft ! Nach 3.008 sm (über 5.500 km) und 22 Tagen auf hoher See sind wir um 19.45 Uhr (UTC) fest in Le Marin/Martinique.

 

Ein unglaubliches Gefühl der Erleichterung und auch des Stolzes durchfährt jeden von uns. Und es wurde plötzlich für einen kurzen Momant ganz still.

 

 

 

 

Nach einem zünftigen Anlegeschluck kehrten die Lebensgeister wieder zurück ...

 

 

 

und wir belohnten uns für die Leistung mit einem tollen Lobster-Essen auf kreolische Art.

 

Erschöpft und überglücklich beenden wir den Abend ...

 

 

 

... und den Törn.


 12.12.2013 - Martinique pur

 

 

 

 

 

 

 

Kolumbus lässt grüßen

 

 

 

... der Job auch ;-)

 

 

 

Vielleicht sollte ich mal eine interne Versetzung beantragen.

 


 

  

 

 

Der Törn über den großen Teich hat alle meine Erwartungen bei weitem übertroffen.

 

Ich danke meiner Familie und der "besten Crew der Welt", dass ich dabei sein durfte.

 


  

Demnächst gehts`s weiter ...

 

... und zwar dann von West nach Ost ;-)